Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“ Channel 4 „The Undateables“ sorgt für Empörung

Von Gesa Mayr ksta.de , 25.04.12, 10:30h, aktualisiert 25.04.12, 11:14h

Eine britische Doku-Serie auf Channel 4 begleitet behinderte Menschen, die auf der Suche nach einem Partner sind. Schon vor der Ausstrahlung sorgte „The Undateables“ für Empörung. Das Medienecho fällt aber differenzierter aus.

Alles was außerhalb seiner Komfortzone von fünf Meilen liegt, macht Richard nervös. Neue Situationen machen ihn nervös. Richard, 37 Jahre alt, hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Die Kommunikation mit seinen Mitmenschen fällt ihm schwer. Nach 20 Jahren hat Richard zum ersten Mal eine Verabredung – und er ist nervös.

Richard ist einer der Kandidaten der britischen Dokumentationsreihe „The Undateables“. Eine Sendung des Privatsenders Channel 4, die Menschen begleitet, die auf der Suche nach einem Partner sind. Dating-Agenturen verabreden die „außergewöhnlichen Singles“, wie die Doku ihre Protagonisten nennt. Außergewöhnlich bedeutet in diesem Fall, Menschen mit einer Behinderung.

Das Format sorgte in Großbritannien schon vor der Ausstrahlung für Empörung. Vor allem die Marketingstrategie. Auf den Werbeplakaten stand „Liebe ist blind, entstellt, autistisch“. Darunter das Bild von sechs Kandidaten und dem Namen der Sendung: The Undateables – die Undatebaren.

„Das Programm geht grundsätzlich davon aus, dass behinderte Menschen als Partner nicht vermittelbar sind“, kritisiert die in Großbritannien lebende Journalistin Christiane Link auf ihrem Blog behindertenparkplatz.de. Sie sitzt selbst im Rollstuhl. Die Sendung tue so, „als biete sie eine Lösung eines Problems, das sie selbst mitverursacht. Sie hämmert den Leuten in die Köpfe ein, behinderte Menschen seien keine potenziellen Partner.“

Mehr als 20 Beschwerden gingen daraufhin bei der Advertising Standards Authority ein, einer Nichtregierungsorganisation, die Werbung auf Anständigkeit und Aufrichtigkeit prüft. Der Vorwurf: Titel und Darstellungsweise der Serie beleidigten Menschen mit Behinderungen, verstärkten Vorurteile und unterstützten Mobbing. Die Organisation wies die Vorwürfe zurück, die Werbung gebe den Ton und Inhalt der Sendung angemessen wieder.

Die britischen Medien rezensierten „The Undateables“ unterschiedlich. Die seriöse Tageszeitung „Guardian“ beschrieb die Sendung als „freundliches, rücksichtsvolles“ Format: „Der Titel sorgte für Kontroverse, vornehmlich bei jenen, die sich nicht vorstellen können, dass der Titel das Problem, das er darstellen will, thematisiert, nämlich das offensichtliche Unbehagen der Gesellschaft, dass behinderte Menschen sexuelle Beziehungen eingehen.“ Der „Telegraph“ bemängelte jedoch, die Sendung versuche, die Kandidaten lächerlich zu machen. Es werde suggeriert, dass man „Spaß auf Kosten anderer haben kann, so lange es ein Happy End gibt“. Ausgerechnet das Boulevardkampfblatt „Mirror“ verurteilte die Sendung als scheinheilig und verglich die Dokumentation mit einer viktorianischen Zirkus-Freakshow. 

Channel 4 argumentiert, mit der Reihe Vorurteile abbauen zu wollen. In einer Mitteilung des Senders hieß es, man wolle die Wahrnehmung von dem, was als normal angesehen werde, herausfordern. Hierzu bezog sich Channel 4 auf eine Studie, nach der rund 70 Prozent der Briten sich keine sexuelle Beziehung mit einer behinderten Person vorstellen könnten. Am Ende sei „The Undateables“ keine Show über Behinderungen, sondern eine über das universale Verlangen nach Liebe. Die dreiteilige Dokureihe bescherte Channel 4 Einschaltquoten mit bis zu 2,7 Millionen Zuschauern und 11,1 Prozent Marktanteil.  

 

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