Produzent Mirko Schulze über den Titel „Die Mongolettes“

„Ich sehe nicht ein, warum ich mich als Vater ständig in der Opferrolle positionieren muss.“

Als Vater einer Tochter mit Down-Syndrom bin ich natürlich fast jeden Tag selbst mit dem Begriff „Mongo“ oder ganz oft „mongoloid“ konfrontiert. Und das höre ich nicht nur von ungebildeten Hinterwäldlern, sondern in der Regel von durchaus gebildeten Menschen mit Abitur und Studium, sehr oft auch von Ärzten (!) und Integrationsbeauftragten (!!!). Also durchaus Menschen von denen man annehmen könnte, dass sie mit Begriffen wie Integration und Inklusion etwas anfangen können. 

Jetzt stehe ich also als Vater vor der Entscheidung, den Rest meines Lebens diese Leute zu korrigieren „Du, Entschuldigung, man sagt nicht „mongoloid“, sondern „Mensch mit Down-Syndrom“, oder besser noch „Mensch mit Trisomie 21“. Und das zu Menschen, die es eigentlich schon besser wissen müssten. Und selbst wenn es mir gelingen würde, Ihnen die Begrifflichkeit einzuhämmern, hätte ich dann ihre Haltung geändert? Ich glaube kaum.

Daher ein Titel wie „Die Mongolettes“. Ganz sicher kein Wohlfühltitel und ganz sicher auch polarisierend, aber nicht wegen der puren Lust an der Provokation. Doch ich sehe nicht ein, warum ich mich als Vater ständig in der Opferrolle positionieren muss und um die „korrekte“ Bezeichnung bitte. Warum darf ich nicht wie die Schwarzen („Nigger“) oder Homosexuelle („Schwule“) das Schimpfwort benutzen, um ihm die kränkende Wucht zu nehmen?

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